Die Unternehmen auf Diät setzen
Ein metallverarbeitendes Unternehmen aus Venetien hat es geschafft, die Anfragenbearbeitung von 21 auf drei Tage zu reduzieren, die Produktivität um 38 Prozent zu steigern und den Bedarf an Räumlichkeiten um 43 Prozent zu senken. Wie? Indem das Unternehmen alle Mitarbeiter bei der Optimierung des Produktionsprozesses miteinbezogen sowie Bestände und Fehler reduziert hat. Dabei handelt es sich nicht etwa um einen neuen Modetrend, sondern um das „schlanke“ unternehmerische Denken, das so genannte „Lean Management“. „Schlank“ gedacht hat auch Toyota nach dem zweiten Weltkrieg: dadurch konnte es Ford überholen und wurde zur Nummer 1 der Automobilbranche. Das „Lean Management“ revolutioniert aber auch in Italien die Prozesse der kleinen und mittleren Unternehmen. Um den Südtiroler KMU die Vorteile des „schlanken” Denkens näherzubringen, organisiert der Cluster Bau des TIS innovation park am 20. Oktober im TIS einen Workshop.
Im Rahmen des Workshop wird ein Dozent des Lean Enterprise Center des „Centro Universitario di Organizzazione Aziendale” (CUOA) darüber sprechen, wie man die Unternehmensprozesse “schlanker” machen kann: von der Neuorganisation der Arbeitsplätze über die Optimierung der Produktionsprozesse bis hin zur Beseitigung der sieben typischen Verschwendungen in Unternehmen. Ein Beispiel einer solchen Verschwendung sind etwa die Bestände, die in der „klassischen“ Produktion eine Investition darstellen: laut „lean thinking“ sind Bestände nämlich lediglich Kapital, das noch keinen Gewinn eingebracht hat und wird deshalb als nutzlos erachtet. Weitere Strategien, die Unternehmen schlanker machen können, sind etwa Kundenbeschwerden und Lieferzeiten reduzieren, überflüssige Arbeitsschritte der Techniker eliminieren oder Verbesserungsvorschläge und spezielle Fähigkeiten der einzelnen Mitarbeiter berücksichtigen.
Ein Unternehmen, das einen eigenen Techniker vorsieht, der die Fehler eines anderen ausbessert, denkt demnach nicht „schlank“. „Hierzu fällt mir ein konkretes Beispiel ein: Ein Unternehmen hat einen Mitarbeiter vorgesehen, der das ausgetretene Silikon beim Verkleben zweier Tür-Teile entfernen sollte“, erzählt Stefano Prosseda, Manager des Cluster Bau des TIS. „Das Silikon wurde im Zick-Zack aufgetragen und die beiden Teile dann zusammengeklebt, ein Teil des Silikons trat dabei immer seitlich aus. Genau hier lag die Verschwendung, und diese Kosten fallen auf den Endverbraucher zurück“, so Prosseda, der ergänzt: „Dabei ist es einfach, eine solche Verschwendung zu vermeiden. Man muss bloß den ersten Techniker miteinbeziehen und diesem klarmachen, dass er eine Aufgabe ausführt, die einer nachträglichen Korrektur bedarf. Durch die bloße Optimierung eines einzelnen Produktionsschrittes fiel somit ein anderer Schritt weg und dem Techniker wurde eine andere, sinnvollere Aufgabe im Unternehmen übertragen“.
Der zweite Teil der Veranstaltung richtet sich gezielt an Südtiroler Unternehmen. Beginnen wird Professor Dominik Matt, Freie Universität Bozen und Fraunhofer Institut Italien, mit einem Referat über das Projekt Build4Future. Das Projekt hat zum Ziel, die unternehmerischen Prozesse im Bausektor schlanker zu machen.
Die Teilnahme an der Veranstaltung kostet 60 Euro, zuzüglich MwSt. Einschreibungen können bis zum 17. Oktober unter www.tis.bz.it vorgenommen werden.

