„Gold unter unseren Füßen“
Rüstet man ein Gebäude von Öl oder Gas auf Abwasserwärme um, kann der CO2-Ausstoß jährlich um mehr als die Hälfte reduziert werden.
Abwasser aus Wohnhäusern kann zum Heizen und Kühlen von Gebäuden genutzt werden. In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es mittlerweile viele Anlagen, die Gebäude mit Hilfe von Abwasserwärme beheizen und kühlen. Auch in Südtirol lässt sich Abwasser als Energiequelle nutzen.
Bei kalten Temperaturen kann man beobachten wie der Dampf aus den Abwasserkanälen aufsteigt. Die Energie, die hier sichtbar wird, ist es, die Urs Studer, Gründer des Züricher Unternehmens RABTHERM, für das Heizen und Kühlen von Gebäuden nutzt. Am Dienstag, 11. Dezember hielt Studer über die Nutzung von Abwasser für die Energiegewinnung einen Vortrag im TIS innovation park.
Die Funktionsweise der Abwasserwärme-Anlagen ist verhältnismäßig einfach: Das Wasser gelangt mit einer Temperatur von etwa 15 Grad in die Kanalisation. In der Kanalisation fließt das warme Wasser über einen Wärmetauscher, der die Wärme aus dem Abwasser über eine Wärmepumpe in den Heizkreislauf des Hauses überträgt. Diese elektrische Wärmepumpe heizt das Wasser auf bis zu 70 Grad auf.

Mindestens 12 Liter Abwasser, die pro Sekunde über den Wärmetauscher fließen, sind die Voraussetzung dafür, dass das Heizen und Kühlen mit Abwasser funktioniert.
„Abwasser fließt aber immer“, erläuterte Urs Studer und genau das mache Abwasser in Zeiten hoher Öl- und Gaspreise so wertvoll. „Abwasser ist Gold unter unseren Füßen“, so Studer. So kann man beispielsweise mit dem Abwasser von drei Wohnhäusern ein komplettes Wohnhaus Heizen. Das Wasser, das andere zum Duschen, Waschen oder Kochen verwenden, dient also – wenn man so will – dem Nachbarn zum Heizen.
„In Südtirol ist diese Technologie vor allem für neue Siedlungen – wie das Wohnbauprojekt CasaNova einsetzbar“, erklärt Christian Tasser vom Zentrum Regenerative Energie des TIS innovation park. Darüber hinaus könnten Krankenhäuser, Altenheime oder Schwimmbäder zum Großteil mit Abwasser beheizt und gekühlt werden. „Vor allem große Gebäude in der Nähe von Abwasserkanälen können diese Technologie sinnvoll und wirtschaftlich rentabel einsetzen“, so Tasser.

