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Schiffs-Know-how aus Südtirol

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Dass sich ein Südtiroler Unternehmen mit der Entlackung von Schiffen beschäftigt, ist an sich schon eine Kuriosität. Dass dieses Unternehmen dann auch noch innerhalb von eineinhalb Jahren ein weltweit einzigartiges Entlackungsverfahren entwickelt und gleich den Auftrag zum Bau einer Prototypen-Anlage für die weltweit führende Reparaturwerft Blohm&Voss in Hamburg erhält, ist bemerkenswert. Dass aber bei dem innovativen Schiffsentlackungsverfahren 12.000 Liter hochgiftiges Wasser innerhalb weniger Stunden gereinigt und in den Wasserkreislauf zurückgeführt werden können, ist beinahe schon sensationell. Das Südtiroler Unternehmen, das diese kleine Meisterleistung vollbracht hat, heißt „Renetex“ und ist ein Technologieunternehmen im TIS innovation park.

Schiffs-Know-how aus Südtirol

von links nach rechts: Marco Cristoforetti, Hans-Jürgen Schmitz und Gerhard Mayerhofer

„Mobile Container-Filtrationsanlage für die Belagsentfernung an Schiffen“ heißt die Technologie, die Renetex entwickelt hat, in der Fachsprache. Das Besondere an dem neuen Reinigungsverfahren ist, dass das Schiff an der Außenseite mit Wasserhochdruck gereinigt wird und das dabei anfallende Schmutzwasser aufgefangen und chemisch gereinigt wird. Das chemisch gereinigte Wasser ist dann so sauber, dass es ohne Bedenken in Flüsse und Meere geleitet werden kann.

„Das hört sich einfacher an als es ist“, sagt Renetex-Geschäftsführer Gerhard Mayerhofer. Denn wenn man die Außenhaut eines Schiffs reinigt, muss eine mindestens zwei Millimeter dicke Lackschicht des Schiffes mit entfernt werden. Diese Lacke sind nicht nur mit Meersalz, Tang, Algen und Muscheln verklebt, sondern vor allem giftig. Beim Schiffsreinigen kommt also eine ziemliche Dreckbrühe vom Schiff runter. Da ein durchschnittliches Schiff etwa 8000 Quadratmeter Außenfläche hat, fallen beim Entfernen einer zwei Millimeter dicken Lackschicht rund 16 Tonnen Schmutzwasser an. Diese große Menge an giftigem Schmutzwasser wird dann in zwei bis vier Stunden so gereinigt, dass sich darin nur mehr Schmutzpartikel befinden, die kleiner als ein Tausendstel Millimeter sind. Im bisherigen Reinigungsverfahren wurde die Schiffsaußenhaut mit Sandstrahl gereinigt, dadurch fielen zusätzlich rund 75 bis 100 Tonnen verunreinigter Sand pro Schiff an, der als Sondermüll entsorgt werden musste. Das Reinigungsverfahren von Renetex erfordert im Vergleich dazu – zusätzlich zum ökologischen Vorteil – auch wesentlich weniger Materialaufwand.

Da es sich bei der Filtrationsanlage von Renetex um eine mobile Anlage handelt, kann die Anlage flexibel dort zum Einsatz gebracht werden, wo sie gerade gebraucht wird. Die Gesamtanlage wiegt etwa 20 Tonnen und kann per LKW transportiert werden.

Auf der Weltleitmesse für Wasser-, Abwasser-, Abfall- und Rohstoffwirtschaft, IFAT ENTSORGA in München Ende September, präsentierte Renetex in Zusammenarbeit mit Hammelmann – dem größten Hochdruck-Pumpenproduzenten der Welt - seine innovative Schiffsreinigungsmethode - bei 110.000 Besuchern aus 185 Ländern. Besonders interessiert an der Renetex-Schiffsentlackungsmethode zeigte sich eine Delegation aus Vietnam. Mitte Oktober nimmt Renetex einen Lokalaugenschein in einer führenden vietnamesischen Werft vor, um Größe und Kompatibilität der eigenen Anlage auf den Trockendocks der vietnamesischen Werft zu überprüfen. Ebenso wurde bereits die erste Anlage für eine große spanische Reparaturwerft kalkuliert und zur Auslieferung im Frühjahr 2011 angeboten.

In der Branche gibt es keine Zweifel, dass bis in etwa zehn Jahren die Umrüstung der Schiffsentlackungen von der derzeitigen Trockenstrahl – auf die Wasserhochdrucktechnik, sowohl aus ökonomischer als auch ökologischer Sicht weltweit abgeschlossen sein wird und sich somit für die Renetex-Filtrationscontainer ein enormer Markt öffnet .


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