Netzwerk der Südtiroler Badlbetriebe
Heu-, Mineralwasser- und Latschenbäder sind ein wichtiger Bestandteil der Südtiroler Wellness- und Kurgeschichte und blicken in Südtirol auf eine lange Tradition zurück. Bereits um die Jahrhundertwende gab es viele Bauern- und Kurbäder, die bei in- und ausländischen Gästen sehr beliebt waren. Um den gesundheitlichen Mehrwert dieser heute vielfach in Vergessenheit geratenen Bäder aufzuzeigen und das traditionelle Wissen wiederzubeleben, haben sich mit Unterstützung des Cluster Alpine Wellbeing des TIS zwölf Südtiroler Betriebe zu einem Netzwerk der „Badlbetreiber“ zusammengeschlossen. Im Rahmen einer Pressekonferenz am 21. September im TIS innovation park wurde das neue Badlnetzwerk erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.
Traditionelle „Badln“ bieten Entspannung und Wohlbefinden und sind einzigartige authentische, regionale Anwendungen mit spürbarem Mehrwert. Auf diesen Mehrwert möchte der Cluster Alpine Wellbeing des TIS aufbauen. Das Wissen rund um die historische Badekultur soll erfasst, vertieft und weiterentwickelt werden. Das Fachwissen zu den Themen Heu, Mineralwasser und Latschen soll in Form eines Kompetenzzentrums für das neue Badlnetzwerk vertieft werden. „Im TIS sammeln wir wissenschaftliche Studien, historische Unterlagen und dokumentieren Badeabläufe. Dieses Wissen geben wir an die Mitglieder und Interessierte weiter“, sagt Manuela Irsara, Managerin der Cluster Alpine Wellbeing. „Außerdem“, so Irsara weiter, „streben wir eine Zusammenarbeit mit Ärzten an. In den USA werden Spa-Behandlungen in einer Datenbank erfasst und zusammen mit Ärzten auf ihre Seriosität hin geprüft. So etwas können wir uns auch in Südtirol vorstellen, da diese Bäder aus rechtlicher Sicht in die Kategorie der Wellnessbehandlungen fallen. Konkret soll ein Weg gefunden werden, um die Sinnhaftigkeit und die Wirkung dieser Anwendungen zu unterstreichen.“ Weitere angestrebte Ziele der Kooperation sind eine bessere Transparenz in Bezug auf die verwendete Wasser- und Heuqualität: alle Betriebe verwenden teilweise zertifiziertes, in jedem Fall aber ausschließlich Südtiroler Qualitätsheu von ungedüngten Hochalmen. „Unser Ziel ist es, die bestehende Heuzertifizierung auf alle Mitgliedbetriebe auszudehnen, um verstärkt dieses Qualitätsmerkmal zu kommunizieren“, sagt Manuela Irsara.
Die Betriebe des Badlnetzwerks sind allesamt unterschiedlich, vom „Urlaub auf dem Bauernhof“ bis hin zum 4-Sterne-Hotel. Gemeinsam ist allen Betreibern aber, dass sie langjährige Experten auf dem Gebiet der traditionellen Bäder sind und folgende Ziele anstreben: die Wiederbelebung des traditionellen Wissens, eine transparente, hohe Qualität sowie das Auftreten unter der gemeinsamen Marke „Heu- und Wasserbäder Südtirol“. Letzter Punkt wurde bereits erfolgreich ausgeführt: ein gemeinsames Logo und Internetauftritt (www.badlkultur.it), dem alle Informationen zu Bädern und Betrieben entnommen werden können.
„Die Tatsache, dass man in Südtirol etwa in Schwefelwasser baden kann, ist wenig bekannt und das ist schade“, so Erwin Lanzinger vom Sporthotel Bad Moos. „Auch das Bad in Heu ist trotz langer Tradition grad bei den Einheimischen zum Teil in Vergessenheit geraten“, meint auch David Kompatscher vom Völser Heubad. Daher ist ein Buch in Form eines „Badlführers“ geplant, der neben den Mitgliedsbetrieben auch Südtiroler Mineralwasserquellen, Ruheoasen, Kneippwege und Wasserfällen gekoppelt mit Wandervorschlägen vorstellt.
„Letztendlich stellen die traditionellen alpinen Bäder natürlich auch eine Bereicherung des touristischen Angebots in Südtirol dar“, so TIS Direktor Hubert Hofer, der ergänzt: „Das Potenzial besteht vor allem darin, das traditionelle und authentische Angebot mit echtem Mehrwert sichtbar zu machen. Dies trägt dazu bei, Südtirol als unverwechselbare Destination im Dschungel der globalen Angebote zu positionieren.“
Das Heubad
Entscheidend für die Qualität und Wirkung des Heus sind die Wirkstoffe der verschiedenen Kräuter, welche je nach Geologie und Lage stark divergieren (Heu ist nicht gleich Heu). Untersuchungen belegen, dass Heubäder unter anderem den Stoffwechsel anregen sowie gegen Muskelverspannungen hilfreich sein können. Der in Südtirol ausgearbeitete Kriterienkatalog für die Zertifizierung besagt, dass das Heu für die Bäder von ungedüngten Almwiesen, fernab von Straßen, stammen muss, mit eine gewissen Kräutervielfalt aus einer Höhenlage von über 1.700 Metern.
Das Mineralwasserbad
In Südtirol gibt es 32 geprüfte Mineralwasserquellen bzw. MineraIwasser mit besonderen Inhaltsstoffen wie z. B. Sulfat, Magnesium, Kupfer, Eisen und Radon, aber nur mehr wenige Betriebe mit Badeanstalten. Je nach Zusammensetzung können die Bäder entspannen, den Stoffwechsel anregen, chronisch-rheumatische Erkrankungen lindern sowie die Haut pflegen.
Das Latschenbad
Beim Latschenbad wird dem Badewasser Latschenextrakt zugesetzt oder auch inmitten heißer Latschenzweige gebadet. Ätherisches Latschenöl wird im Südtirol seit Jahrhunderten verwendet und hat in der Volksmedizin einen hohen Stellenwert. Latschen enthalten ätherische Öle, welche schleimlösend, schwach antiseptisch und durchblutungsfördernd wirken können.
Die zwölf Südtiroler Badlbetriebe
Weisslahnbad
Weißlahn, 21
39050 Tiers
Sport & Kurhotel Bad Moos
Fischleintalstraße, 27
39030 Sexten Moos
Bad Schüsslerhof
Milchreiserweg 15
39030 Mühlwald/Lappach
Naturhotel Moosmair
Ahornach, 44
39032 Sand in Taufers
Hotel Bad Salomonsbrunn
Antholzerstrasse, 1
39030 Rasen/Antholz
Berghotel Jochgrimm
Jochgrimm
39040 Aldein
Hotel Bad Bergfall
Bad Bergfallweg 5
39030 Olang/Geiselberg
Hotel Aqua Bad Cortina
Fanes Straße 40
39030 St. Vigil in Enneberg
Heubad Lindenhof
Getzenbergweg, 7
39030 Obervintl – Dörfl
Hotel Heubad
Schlernstraße, 13
39050 Völs am Schlern
Hotel Bad Schörgau
39058 Sarntal
Vigiler Heubadl Verleierhof
St. Vigil, 12
39040 Seis am Schlern

