Freie Software im Tourismus
Durch den Sucher des Fotoapparats im Smartphone in die Gegend schauen und weiterführende Informationen zu Berggipfeln und Sehenswürdigkeiten angezeigt bekommen. Augmented Reality – die erweiterte Realität - ist auch in Südtirol auf dem Vormarsch und erobert als erstes den Tourismussektor. Der TIS innovation park und Peer internet solutions präsentieren “mixare”. Eine Freie Software, die in Südtirol für Südtirol entwickelt wurde, um Bergwanderern, Mountainbikern, Skitourengehern und allen Gästen mehr Infos über Südtirol zu geben – in Echtzeit und GPS-gestützt. „mixare“ wurde im Rahmen einer Pressekonferenz am 18. März der Öffentlichkeit präsentiert.
von links nach rechts: Daniele Gobbetti (Peer internet solutions), Mario Farias (Manager, TIS), Roberto Bizzo (Innovationslandesrat), Hubert Hofer (TIS Direktor), Patrick Ohnewein (Free Software Center, TIS), Christian Peer (Peer internet solutions)
Und so benutzt man das mit „mixare“ ausgerüstete Smartphone: Man richtet sein Handy wie einen Fotoapparat in die gewünschte Richtung der Landschaft. Das Programm blendet in Echtzeit über dem Kamerabild zusätzliche Informationen ein, die aus dem Internet geladen werden. So kann der Benutzer beispielsweise über den Bergen die Namen der einzelnen Gipfel lesen und erfährt den Namen von Seen, Ortschaften und Schlössern. Natürlich können über mixare auch Infos zu Hotels, Restaurants und Geschäften angezeigt werden.
„Die Vorteile dieser Innovation für Südtirol liegen vor allem ihn ihrer Ausbaufähigkeit: vom Gastgewerbe über Museen, Sehenswürdigkeiten bis hin zu Trekking-Routen und Schutzhütten können alle touristischen Einrichtungen im Land dank dieser Applikation ihr touristisches Angebot bereichern“, sagt Innovationslandesrat Roberto Bizzo in Bezug auf die Anwendung von mixare.
Die Idee in augmented reality – also in die virtuell erweiterte Wirklichkeit - zu investieren, entstand im Unternehmen Peer internet solutions schon Mitte des vergangenen Jahres. Peer internet solutions entwickelt seit Jahren touristische Internetportale und verfügt daher über die hierfür notwendigen redaktionell gepflegten georeferenzierten Daten. Eine Marktrecherche ergab, dass es bereits Augmented-Reality-Software gab. „Leider funktionierte diese Software für unsere Zwecke nur eingeschränkt“, erzählt Christian Peer, Geschäftsführer von Peer internet solutions. „Immer wenn wir durch den Sucher des Smartphones schauten, wurden die digitalen Erläuterungen in der falschen Höhe angezeigt.“, ergänzt Daniele Gobbetti, Verantwortlicher für Innovation bei Peer.
Patrick Ohnewein, der Leiter des Free Software Centers South Tyrol des Bereichs Digitale Technologien des TIS innovation park, war es schließlich, der Peer auf die Idee brachte es doch einmal mit Freier Software zu versuchen (siehe Erklärung Kästchen links). Anstatt also auf schon vorhandene, proprietäre Software aufzubauen, entwickelte Peer internet solutions selbst seine Software. Für alle lizenzrechtlichen Fragen stand das Free Software Center mit Rat und Tat zur Verfügung.
Das Problem, das sich dem Unternehmen nun stellt, ist, dass es ganz viele verschiedene Typen von Smartphones gibt. Vom Google-Phone über das iPhone und den Palm bis hin zum Blackberry – die Typenvielfalt kennt hier fast keine Grenzen und es ist zu erwarten, dass immer neue Smartphones auf den Markt kommen werden. „Es ist für ein kleines Unternehmen, wie das unsere, unmöglich für alle Smartphone-Typen eine Software zu entwickeln, die überall funktioniert“, erklärt Christian Peer. In der Tat funktioniert mixare vorerst nur auf Smartphones mit dem Betriebssystem Android. Das Google-Phone beispielsweise verwendet Android. „Die Entscheidung, auf Freie Software zu setzen, war genau die richtige“, so Peer. Denn eines der großen Vorteile von Freier Software ist, dass die Software von Menschen, die programmieren können, verändert, erweitert und verbessert werden kann. Das macht im Bereich Freie Software die so genannte Free-Software-Community, also eine weltweite Gemeinschaft aus Entwicklern, die die auf dem Markt befindliche Freie Software verbessern und erweitern.
Die Entscheidung von Peer internet solutions mixare zunächst für Android- zur Verfügung zu stellen, hängt damit zusammen, dass Android ein Betriebssystem ist, das sehr gute Wachstumschancen in Aussicht stellt. Es ist absehbar, dass in den nächsten Monaten dutzende neue Android-Handys auf den Markt kommen werden. Problem: Auch auf den neuen Android-Handys könnte es passieren, dass mixare angepasst werden muss. Hier könnte die Free-Software-Community ebenfalls dafür sorgen, dass nach und nach Versionen von mixare entwickelt werden, die auf allen künftigen Android-Handys laufen. Auch das Übertragen von mixare auf das iPhone oder auf Nokia-Handys durch die Community ist möglich. Wie lange es dauert, bis die Community eine mixare-Version für andere Betriebssysteme entwickelt hat, kann man nicht voraussagen. Sicher ist aber, dass die Nachfrage hier den Entwicklungsprozess in Gang bringt. „Wenn Entwickler merken, dass eine Software nachgefragt wird, entwickeln sie diese auch“, erläutert Patrick Ohnewein. Nach diesem uralten Marktprinzip funktioniert also die globale Free-Software-Community und es ist nur eine Frage der Zeit bis es eine mixare-Variante für alle Smartphone-Betriebssysteme gibt.
„mixare ist ein gelungenes Beispiel für Produktentwicklung made in Südtirol“, sagt TIS Direktor Hubert Hofer. „Besonders freut mich, dass wir im wichtigsten Wirtschaftssektor Südtirols – im Tourismus – mit einer digitalen Innovation Mehrwert für unsere heimischen Betriebe schaffen konnten.“
Infos zur Freien Software:
Freie Software kann beliebig benutzt, kopiert, studiert, verändert und weiterentwickelt, ja sogar verschenkt oder verkauft werden. Das Free Software Center South Tyrol des Bereichs Digitale Technologien des TIS innovation park unterstützt Südtiroler Unternehmen, ihre Wettbewerbsfähigkeit durch den Gebrauch von Freier Software zu steigern.

