TechnologyDay 2007
Neue Materialien, Trends und Technologien beim TechnologyDay im TIS
Dreißig Grad im Schatten und bestaunt wird ein schwarzer Winterhandschuh. „Stecken Sie mal Ihre Hand hinein, ballen Sie sie zur Faust, Sie werden sehen, nach einiger Zeit, wird ihre Hand kühl.“ Die Testperson zieht den Handschuh an, ballt die Faust und lächelt nach wenigen Sekunden. Tatsächlich: der Handschuh kühlt.
Neue Materialien machen das möglich.
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Nicola Belli von MaTech, stellte eine Reihe von Produkten aus neuen Materialien im Rahmen der Kooperationsbörse des TechnologyDay am vergangenen Donnerstag im TIS innovation park vor. Ursprünglich wurde das bei Hitze kühlende und bei Kälte wärmende Material für Astronautenanzüge entwickelt. „Jetzt können wir es aber auch zum Skifahren anziehen“, so Belli. Nach dem gleichen Prinzip und aus dem gleichen Material können auch Skischuhe, Kinderwägen und Fußbodenbeläge produziert werden. Wärmen bei Kälte und kühlen bei Wärme: ein Vorteil den neue Materialien bieten.
MaTech, das Kompetenzzentrum für innovative Materialien aus Padua, entwickelt Materialien für die Bedürfnisse verschiedenster Unternehmen und ist Partner des TIS innovation park in Sachen neue Materialien. Für Aufsehen sorgten auch flexible Solarzellen, die im Gegensatz zu den herkömmlichen Solarzellen nur wenige Millimeter dick und biegsam sind und aussehen wie ein ausgerollter Filmstreifen. „Zugegeben“, so Belli, „die Energieeffizienz ist nicht ganz so gut wie die von statischen Solarzellen, aber sie sind dafür viel günstiger.“ Die Solarzellen sind resistent, die Garantie auf das Produkt beläuft sich auf 20 Jahre. Sogar für das Aufladen von Handybatterien sind die flexiblen Solarzellen geeignet. So spart man Strom und macht erneuerbare Energiequellen leichter nutzbar.
„Erneuerbare Energien haben für die Wirtschaft mittlerweile ein enormes Potenzial entwickelt“, erklärte denn auch Zukunftsforscher Karlheinz Steinmüller in seinem Vortrag am Vormittag, der den TechnologyDay eröffnete. In seinem Vortrag legte Steinmüller seinen Schwerpunkt auf das energieeffiziente und vor allem ökoeffiziente Bauen. Laut Steinmüller wird es in Zukunft nicht mehr ausreichen nur mit guten Dämmstoffen den Energieverbrauch von Häusern zu reduzieren, es müsse auch zunehmend mit umweltfreundlichen und recyclebaren Baustoffen gearbeitet werden. Auch was die Ernährung und die Landwirtschaft anbelangt, wagte Zukunftsforscher Steinmüller einen Blick in die Zukunft.
Vortrag Steinmüller downloaden
Einer Prognose zufolge soll bis ins Jahr 2050 jeder zweite Europäer fettleibig sein. Für Steinmüller bedeutet dies, dass die Lebensmittelbranche verstärkt auf Qualität, Verbrauchergesundheit und Natürlichkeit bei Lebensmitteln setzen muss. Für die Landwirtschaft hält Steinmüller vor allem das Modell der Precision Agriculture für zukunftsfähig. „Mit Hilfe Satelliten gestützter Systeme werden Anbauflächen analysiert, jeder Baum, jeder Strauch, jeder Pfad für Schädlingsbefall lokalisiert“, so Steinmüller. Mit Hilfe dieser Methode könne man Bewässerung und Schädlingsbekämpfungsmittel viel gezielter einsetzen, als bisher und damit Geld sparen und die Umwelt schonen. „Selbstverständlich braucht es hier einige Investitionen, um so vorgehen zu können“, so der Zukunftsforscher.
Video Technologyday, RAI Sender Bozen "Tagesschau", 26.07.07
Im weiteren Verlauf des TechnologDay referierte Enzo Biagini, Geschäftsführer von Apple Italien, der die anwesenden Unternehmer vor einer Überbürokratisierung des eigenen Unternehmens warnte. „Das ist innovationsfeindlich“. In die gleiche Kerbe hieb der Gründer der Steinbeis Stiftung, Johann Löhn, der in seinem Vortrag zugespitzt formulierte: „Endlich wieder Chaos. Ich kann was bewegen.“ Löhn, unter anderem zweifacher Träger des deutschen Bundesverdienstkreuzes, wies ausdrücklich darauf hin, dass Strukturen wie der TIS innovation park absolut sinnvoll seien. „Es ist wichtig, dass für den Wissens- und Technologietransfer, für die Unternehmensgründungen und die Netzwerkbildung Infrastrukturen gefördert werden und nicht Einzelbetriebe“, so Löhn.
Den Weg der akustischen Kamera von der Erfindung bis zum weltweiten Vertrieb zeichnete deren Erfinder Gerd Heinz nach. Heinz entwickelte die akustische Kamera im Verlaufe der 90er Jahre. Heute gehört die Kamera, die für die Lokalisierung unerwünschter Schallwellen eingesetzt wird, zur Grundausstattung fast aller Auto- und Flugzeughersteller.
Vortrag Heinz downloaden
220 Unternehmer informierten sich im Rahmen des ersten Südtiroler TechnologyDay darüber, welche Technologien, laut Expertenprognosen, zukunftsfähig sind. Bei der Kooperationsbörse am Nachmittag, bei der Unternehmer konkrete Fragen an die anwesenden Experten richten konnten und auch Antworten erhielten, kamen 50 Kontakte zustande. Ein Ergebnis, mit dem die Organisatoren des TechnologyDay beim TIS überaus zufrieden sind. Möglich wurde der erste Südtiroler TechnologyDay übrigens durch die Unterstützung des Südtiroler Unternehmerverbandes, der Stiftung Sparkasse und des Assessorats für Innovation.
Zwei Resümees konnten die teilnehmenden Unternehmer nach dem TechnologyDay ziehen: zum Ersten, dass Kreativität, Technologie und Design Hand in Hand gehen müssen und zum Zweiten, dass man Technologie nicht um der Technologie Willen einsetzen soll, sondern immer den Kundennutzen im Auge behalten muss. Oder wie Johann Löhn von der Steinbeis Stiftung treffend formulierte: "Der Kunde will ein Loch, keinen Bohrer."

