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Wenn jemand eine Reise tut…

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Die zweite Ausgabe der Veranstaltungsreihe „Unternehmen im Wandel" der Europäischen Akademie Bozen (EURAC), des TIS innovation park und der Südtirol Marketing Gesellschaft (SMG) zum Thema „Standortwechsel – Wo bitte geht’s hier zum Erfolg?“ fand am 11. Oktober in der EURAC statt. Referenten waren Oswald Zuegg, Zuegg Konfitüren und Fruchtsäfte Verona, und Othmar Leimgruber, Bürkle Kellerbau Girlan. Es moderierte der italienische RAI-Journalist Paolo Mazzucato.

Wenn jemand eine Reise tut…

Hubert Hofer (Direktor TIS), Oswald Zuegg (Zuegg), Othmar Leimgruber (Bürkle Kellerbau), Barbara Prugger (SMG), Paolo Mazzucato (RAI)

Das Unternehmen Zuegg wurde 1890 in Lana gegründet. Die ersten 30 Jahre verkaufte Zuegg Äpfel, sogar bis nach St.-Petersburg. Erst 1920 stieg Zuegg in die Marmeladenproduktion ein, und ab 1958 stellte man Fruchtsäfte in Verona her. In den 90er Jahren wurden mehrere Standorte in Italien, Deutschland und Frankreich und erst vor kurzem in Russland und Österreich eröffnet. Oswald Zuegg leitet als Geschäftsführer das Unternehmen in vierter Generation vom Hauptsitz in Verona aus. „Ich bin sehr froh darüber, der Bezugspunkt einer großen Mannschaft zu sein, die auf beste Ergebnisse abzielt“, sagt Zuegg. Zuegg betont aber, dass das Unternehmen nicht nach Verona gezogen ist, um an billigere Arbeitskräfte zu kommen. „Das Geld interessiert mich nicht, sehr wohl aber das Business und die Herausforderungen, die jedes neue unternehmerische Abenteuer mit sich bringt. Ich bezeichne mich selbst nämlich gerne als ‚Antikapitalist‘“. Mit dieser Einstellung ging die Familie Zuegg erst nach Verona, auf der Suche nach günstigeren Grundstückspreisen und besseren logistischen Rahmenbedingungen. Danach ging Zuegg in andere europäische Länder, im Jahr 2010 sogar nach Russland. Entscheidend für Zuegg war aber jedes Mal, die Business-Kultur des neuen Landes vorher kennenzulernen: von der bürokratischen Mentalität über Vertrieb bis hin zu Rechnungsmodalitäten. In Südtirol habe er gelernt, dass harte Arbeit wichtig ist, und dass man schwitzen muss, um sich durchzuschlagen – zurückkehren möchte Oswald Zuegg aber nicht. „Die Logistik ist mangelhaft, und es mangelt an Internationalisierung. Außerdem meint der Durchschnitts-Südtiroler, Südtirol wäre das Zentrum der Welt“. Zuegg behauptet von sich selbst, der Mut zur Veränderung läge in seinen Genen, er vergesse jedoch nie den menschlichen Aspekt und denke immer an seine Mitarbeiter: „80 Prozent der Arbeit ist rein psychologisch: ich kann die Leute in eine Richtung lenken, aber ich bin erst jemand, wenn die gesamte Belegschaft hinter mir steht.“

Othmar Leimgruber ist technischer Leiter des deutschen Unternehmens Bürkle Kellerbau, das im Bereich Fertigteil-Bauweise für die Einrichtung von Kellergeschossen tätig ist. Kürzlich hat das baden-württembergische Unternehmen eine Filiale in Eppan eröffnet, um den italienischen Markt bearbeiten zu können. „Für die Mitarbeiter bedeutet die Eröffnung einer neuen Filiale immer einen zusätzlichen Motivationsschub“, sagt Leimgruber, der ergänzt: „Deshalb sind sie außerdem eher bereit, weite Wegstrecken auf sich zu nehmen. Es war schwierig, in Südtirol ein solch motiviertes und reisebereites Personal zu finden.“ Neben der Schwierigkeit, Personal mit derselben Reisebereitschaft und Ausbildung wie jene der deutschen Kollegen zu finden, musste sich das Unternehmen auch mit der italienischen Mentalität auseinandersetzen, die „weniger auf Pünktlichkeit und Genauigkeit bedacht ist als die deutsche“. Warum Bürkle Kellerbau genau nach Südtirol gekommen ist, hat mit der Sprache zu tun. Einen Sitz in einem zweisprachigen Land zu haben ermöglicht nämlich, Schritt für Schritt in den italienischen Markt einzudringen. „Auch wenn wir zurzeit keinen einzigen Kunden aus der Provinz Bozen haben“, so Leimgruber. Eine der Hauptschwierigkeiten des Unternehmens besteht derzeit darin, die italienischen Kunden von den Vorteilen der Fertigteil-Bauweise zu überzeugen. „Es freut uns immer, wenn ein italienischer Kunde erkennt, wie viel Zeit man durch unsere Produkte sparen kann und welche Genauigkeit und Zuverlässigkeit sie garantieren“, sagt Leimgruber.

Die nächste Veranstaltung zum Thema “Kulturwechsel: Herr Wang, Frau Singh und der Pichler Hannes” findet am Dienstag, 06. Dezember 2011, statt.
 

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