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Warum normal sein? (pw)

Warum normal sein?

 

Das Büro ist weiß. Die Büromöbel sind schwarz. Die Firewall ist grün. Grün mit kleinem roten Flammenmuster auf der Vorderseite. „Endian-grün“ wie Endian Geschäftsführer Raphael Vallazza anmerkt.

Im Labor der Firma Endian in Frangart herrscht kreatives Chaos. Leere Kartons stehen herum und auf dem Labortisch stehen Firewalls ohne Abdeckung und geben sozusagen ihr Innerstes preis. Kabel in Regenbogenfarben, Chipsatz, Netzteil mit Belüftung und Kupferdraht, der eingerollt ist und aussieht wie die Gehäuse von Weinbergschnecken.
Zwei Festplatten können integriert werden, sieben Gigabit-Ethernet-Netzanschlüsse finden sich an der Rückseite der Firewall. „Das ist unser Flaggschiff“, sagt Raphael Vallazza. Dann zieht er eine kleinere Firewall aus einem Regal. „Die hier ist dagegen richtig putzig. Ist für kleinere Betriebe gedacht.“ Die Farbe grün hat sich Endian übrigens ausgesucht, weil die im IT-Bereich eher untypisch ist und Innovation heißt für Endian, mit bestehenden Regeln auch einmal zu brechen. Die Farbe, die die IT-Branche normalerweise bevorzugt, ist blau. Aber warum immer normal sein?


Taiwan, Chile, Südafrika, Australien und Saudi Arabien
Endian stellt seit 2003 Firewalls her. Firewalls, die eine all-in-one-Sicherheitslösung gegen Viren, Spam und vieles mehr bieten. Früher waren für einen solch umfangreichen Schutz mehrere Geräte nötig. Dass Endian gute Firewalls herstellt, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Das Unternehmen lässt seine Firewalls in Taiwan bauen und liefert diese nach Deutschland, Frankreich, Chile, Südafrika, Australien und nach Saudi Arabien. Im Büro von Endian hängt eine Weltkarte an der Wand. Alle Länder, die von Endian bereits beliefert wurden, sind mit gelben und grünen Stecknadeln markiert. Gelb für die nicht so großen Lieferungen, grün für die dicken Brocken. Vor allem im Raum Norditalien, Österreich und Deutschland stehen die Stecknadeln mittlerweile dicht. Der Betrieb läuft gut. „Wir verzeichnen ein monatliches Wachstum von 20 Prozent“, sagt Vallazza stolz.

Vallazza führt diesen Erfolg auf mehrere Faktoren zurück. Einmal sei da das einwandfreie Produkt, zum andern die Tatsache, dass die neun Endian-Mitarbeiter mit Liebe und Leidenschaft ihre Arbeit verrichten. „Wir sind Freunde und haben Spaß an unserer Arbeit“, erzählt Vallazza. „Unser jüngster Mitarbeiter ist gerade mal 21 und schon seit vier Jahren dabei. Während der Schule hat er parallel immer bei uns mitgearbeitet.“ Wichtig für Vallazza ist auch, dass die Unternehmenshierarchie nicht zu rigide ist. „Ich bemühe jeden Mitarbeiter seinen individuellen Bedürfnissen entsprechend zu behandeln“, so der Endian-Geschäftsführer.
Das Verhältnis zu seinen Kunden beschreibt Vallazza ebenfalls als freundschaftlich. Ist ein Kunde mal unzufrieden, sind auch Vallazza und sein Team unzufrieden und arbeiten so lange an Verbesserungen bis dieser Zustand beseitigt ist. „Das Menschliche muss stimmen“, formuliert der Endian-Chef.

Marketingüberlegungen stecken hinter solchen Ansichten keine. Überhaupt hat Endian Marketing im klassischen Sinne eigentlich nie betrieben. Die Firewalls, die Endian herstellt, basieren allesamt auf Freier Software. Davon gibt es eine so genannte Community-Variante, die man sich kostenlos von der Endian-Homepage herunterladen kann. 175.000mal ist dies bis heute geschehen und so hat sich der Name Endian herumgesprochen. 400mal konnte dann die Enterprise-Variante der Software verkauft werden – unter anderem an das Italienische Verteidigungsministerium, die Nationalbibliothek in Florenz und an die SEL AG.

Dass man mit Freier Software Geld machen kann, hat Endian also bewiesen und findet es darum auch gut, dass der TIS innovation park mit dem Free Software Center eine Struktur zur Verfügung stellt, die Unternehmer der IT-Branche für die Nutzung Freier Software sensibilisiert. „Ich kenne den Patrick Ohnewein vom Free Software Center schon lange und weiß, dass da der richtige Mann am richtigen Platz ist“, lächelt Vallazza.

 

Ernsthafter Pragmatiker
Raphael Vallazza lächelt übrigens selten. Er bezeichnet sich selbst als ernsthaften Pragmatiker, für den das Ziel wichtiger ist, als der Weg, der dorthin führt. Vallazza trägt eine rahmenlose Brille, sein kurz geschnittenes Haar ist nach hinten gekämmt, seine Miene ist ernst – nie verbissen, aber ernst. Spricht Vallazza allerdings über Firewalls und seine Firma, dann fangen seine Augen an zu leuchten und dann spürt man, mit welcher Energie er seine Ziele verfolgt. Bereits als siebenjähriger fing Vallazza an sich mit Computern zu beschäftigen. „Damals bekam ich einen Commodore 64 geschenkt“, sagt er fast schon schwärmerisch. Mit 12 begann er – damals noch in „Basic“ zu programmieren. Da muss es nicht verwundern, dass im Endian-Büro ein Commodore 64 herumsteht, wie ein Museumsstück aus grauer Computersteinzeit.

 

Aber manchmal tut ein Blick zurück in die graue Vorzeit ja auch gut und Endian zieht aus diesem Blick zurück eine ganz besondere Unternehmensphilosophie. Der Computer sei ja schließlich nur ein Werkzeug. Und dieses Werkzeug müsse funktionieren. Darum versuche Endian, die eigenen Firewalls so benutzerfreundlich wie möglich zu machen. „Einfache Komplexität“, sagt Vallazza und fügt hinzu: „Genau das bieten wir.“
Vorbild für Endian im Bereich Benutzerfreundlichkeit ist Apple und Raphael Vallazza bringt dies auf die kurze Formel: „Wenn wir jemand anderes als Endian sein wollten, dann Apple.“


Das weiße Büro von Endian mit den schwarzen Büromöbeln und den grünen Firewalls, ist aber nicht nur ein Büro. Es gibt auch einen Raum, in dem Endian Schulungen abhält – Schulungen für Reseller. „2007 ist für uns ein gutes Jahr, aber 2008 erwarten wir uns einen regelrechten Boom.“, so Vallazza und rückt sich die Brille zurecht.

Hoffnungsfrohe Aussichten also für Endian und so viel Optimismus passt ja auch sehr gut zur Farbe der Endian-Firewall; denn: grün ist ja bekanntlich die Hoffnung. Und im Falle von Endian ist die Hoffnung auf weiterhin gute Geschäfte mehr als berechtigt.


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