Millimetergenaue Massivholzwände (pw)
Millimetergenaue Massivholzwände
Zwischen Kies- und Schotterhaufen hindurch führt der Weg zur Produktionshalle der Firma Reinverbund. Seit März produziert das Gründerunternehmen des TIS innovation park hier in der Industriezone in Prad am Stilfserjoch metall- und leimfreie Massivholzwände.
In der Produktionshalle herrscht rege Betriebsamkeit. Der Empfang durch einen Mitarbeiter „’s Büro is draußen “, geht im Motorengeräusch einer Säge beinahe unter.
Am Eingang zur Produktionshalle steht ein Bürocontainer, der aussieht wie ein großes Baumhaus, aus 18 Zentimeter dicken Massivholzwänden aus eigener Produktion. Der hölzerne Bürocontainer ist eine Übergangslösung. Das Holzbüro kann binnen weniger Stunden abgebaut und auf LKWs verladen werden. Ein Beweis dafür, dass Massivholzhäuser schnell gebaut werden können. Über eine Holztreppe geht es hinauf ins Büro. Dort wartet schon Herbert Niederfriniger, der Produktionsleiter, er hat wenig Zeit, um Zwölf hat er einen Termin.
Das Büro ist gemütlich und besteht aus zwei Räumen. „Wir sind erst gestern hier eingezogen, deswegen schaut es noch so leer aus“, erzählt Niederfriniger.
Vier Produktionsmitarbeiter, haben Niederfriniger und sein Partner Armin Strickner mittlerweile. Und es sollen noch mehr werden. Angedacht ist, noch zwei bis drei weitere Mitarbeiter zu beschäftigen. „Vor allem für die Arbeitsvorbereitung brauchen wir jemanden“, erklärt Niederfriniger.
Mutiger Sprung ins Unternehmertum
Früher war Herbert Niederfriniger Tischler, danach Produktionsleiter in einem Betrieb in Eyrs. Nach dem Besuch der Holztechniker Schule in Brixen arbeitete er eine Zeit lang als Förster und stieg zum Stationsleiter in Prad am Stilfserjoch auf. „Es gehört schon auch ein bisschen Mut dazu, so einen sicheren Job aufzugeben und sich ins Unternehmertum zu stürzen.“, sagt er heute rückblickend.
Den Sprung ins Unternehmertum gewagt haben Niederfriniger und Strickner gemeinsam und wie so oft aus einer Notlage heraus. Herbert Niederfriniger wollte nämlich ein Holzhaus bauen, fand aber keines, das seinen Ansprüchen genügt hätte und fing an mit Strickner gemeinsam ein naturbelassenes, gesundes Bausystem für Massivholzwände auszutüfteln. Holz lag den gelernten Tischlern Niederfriniger und Strickner schon deshalb immer am Herzen, weil es ein natürlicher und nachwachsender Rohstoff ist, der im Bereich Energieeffizienz hervorragende Werte vorzeigen kann. Die Tatsache, dass sich die beiden auf metall- und leimfreie Massivholzelemente spezialisierten, erwuchs dem Wunsch, das Naturmaterial Holz so wenig wie möglich zu verändern. So ließ Reinverbund eine alte Bautradition wieder zum Leben erwachen. Mittlerweile ist das System patentiert. Die Holzwände behalten ihre Form, auch wenn sie nass werden. Die Elemente können in Dicken von 12 bis 24 Zentimetern gefertigt werden.
Konkret ins Unternehmertum gestartet ist Reinverbund dann Ende des Jahres 2005, mit der Aufnahme ins Gründerzentrum des TIS Innovation Park. Im Jahr 2006 wurde Reinverbund mit seinen innovativen Holzwänden und –decken beim Business-Plan-Wettbewerb „Adventure X“ mit dem ersten Platz belohnt.
„Innovation ist für mich, wenn man sich auf alte Techniken besinnt und diese mit neuen Maschinen und neuem Know-how zu neuem Einsatz bringt“, sagt Niederfriniger und ergänzt: „Genau das haben wir gemacht.“ Die Massivholzhäuser von Reinverbund sind langlebig und bieten Erdbebensicherheit. „In Südtirol gibt es Bauernhöfe aus Holz, die sind zwei- bis dreihundert Jahre alt“, so Niederfriniger weiter.
Auf dem Weg aus dem „Baumhaus-Büro“ in die 800 Quadratmeter große Produktionshalle deutet Niederfriniger auf einen Versuchsaufbau ganz aus Holz hin, bei dem die Druckbelastung der Massivholzdecken getestet wird. „Mehr sag ich dazu aber nicht. Das ist nämlich geheim. Die eigentlichen Druckversuche machen wir dann bei der TU München.“
Computergestäuerte Präzison für gesundes Wohnen
Fast vier Meter hoch türmen sich die Fichtenbohlen kurz hinter dem Eingang der Produktionshalle auf. Es riecht süß nach Holz und die laufenden Maschinen machen eine Unterhaltung schwierig.
„Die Bohlen werden gesägt, gehobelt und gefräst“, sagt Niederfriniger. „Die Fräse ist computergesteuert; wir haben sie selbst entwickelt. Sie fräst auf einen zehntel Millimeter genau.“ Und tatsächlich geschieht an der Fräse alles wie von Geisterhand. Ein großes Metallrohr beispielsweise saugt die anfallenden Holzspäne ab.
Die gefrästen Hölzer werden dann auf großen fest montierten Sägeböcken zusammengebaut und abgebunden, also auf die gewünschte Höhe zugeschnitten und mit Ausschnitten für die Fenster und Türen versehen. Auf den Kanten wird stoßsicherer Filz angebracht. Fertig ist die Massivholzwand. Ein großer Kran am Ende der Fertigungshalle hievt die Wände und Decken von den Holzböcken herunter. Fein säuberlich geordnet stehen die fertigen Wände da.
„Ich glaube an dieses Produkt“, sagt Herbert Niederfriniger draußen vor der Produktionshalle, „Wir machen hier Massivholzwände, mit denen wir unseren Kunden ein behagliches und gesundes Wohnen ermöglichen. Die Lebensqualität, die wir damit unseren Kunden anbieten, wird sich auf dem Markt durchsetzen.“ Dann schaut der Produktionsleiter von Reinverbund auf die Uhr. „Oh, schon fünf vor Zwölf. Jetzt muss ich aber zu meinem Termin.“

