Mutti Natur...Fortsetzung
Mutti Natur... Fortsetzung
Stolz auf das eigene Unternehmen. Annemarie Gluderer.
Im Dachgarten des Kräuterschlössel ist ebenfalls ein kleiner Kräutergarten. Hier wird sanfte Musik gespielt. „Wellness-Musik“, wie Gluderer das nennt. Für das nächste Frühjahr wurde ein Stück Dachterrasse angebaut. Dort können es sich Kräuter Gold-Kunden dann in Liegestühlen bequem machen, den Duft frischer Kräuter einatmen und entspannen. Kostenlos, versteht sich.
Kräutergold bietet seinen Kunden auch Verkostungen von Bioprodukten an. Biobrot, Bio-Speck und natürlich Kräuterquark und Kräuterbutter mit hauseigenen Kräutern.
„Hier, Edelweiß“, sagt Annemarie Gluderer mit gedämpfter Stimme, „bauen wir an; ist gut gegen Falten“. Frau Gluderer hat wenige Falten – eigentlich nur Lachfältchen um die Augen - und eine gesunde Gesichtsfarbe. Bergwandern war sie schon zwei Jahre nicht mehr. „Wir arbeiten sieben Tage die Woche“, sagt sie und sieht glücklich aus. Das Gewächshaus von Kräuter Gold ist nicht sehr groß und befindet sich neben dem Dach-Kräutergarten. Das Glas des Gewächshauses stammt aus einem Bürogebäude. „Die hatten denen die falschen Scheiben geliefert und wir haben gedacht, bevor das weggeschmissen wird, bauen wir unser Glashaus daraus.“, erzählt Annemarie Gluderer.
Kräuter Gold - TIS innovation park - Uni Siena
Im Verkaufsraum von Kräutergold riecht es wie im Teeladen. Das liegt an dem Tee, den es hier zu kaufen gibt. „Seniorenkräuter“, „Kinderkräuter“, „Liebesmischung“ – Tee für jede Lebensphase. Tee, Kräutersirup, Kräutersalz und Gewürzmischungen werden direkt in Goldrain produziert. Die Kräuter für Parfüm und Kosmetika werden in kleinen Säckchen nach Padua gebracht und dort weiterverarbeitet. Mit Hilfe des TIS innovation park ist es Kräuter Gold gelungen, Experten der Universität Siena zu finden, die derzeit die Kräuter Gold-Produkte untersuchen und nach Verbesserungsmöglichkeiten für die einzelnen Cremes und Lotions forschen.
32 Grad Raumtemperatur und ein Duft wie in der Kräutersauna: im Trockenraum lässt es sich aushalten, vor allem, wenn das Wetter draußen eher unwirtlich ist. Zurzeit trocknen hier orangefarbene Ringelblumen, rosa und dunkelrote Kornblumen vor sich hin. 100 Kilo Frischkraut brauchen zwei Tage bis sie so trocken sind, dass anschließend die Blätter von den Stengeln getrennt – gerebelt – werden können. Die getrockneten Stengel werden allerdings längst nicht mehr weggeworfen. „Die verwenden wir als Polstermaterial für unsere Postsendungen, wenn wir Zerbrechliches verschicken müssen.“ Annemarie Gluderer ist stolz auf ihren Erfindungsreichtum. Die Blätter und Blüten der getrockneten Kräuter werden zu Pulver verarbeitet. Weil das Pulver an Qualität verliert, wenn es zu lange in der Mühle liegen bleibt, hat Familie Gluderer eine Absaugvorrichtung installiert, die das frisch gemahlene Pulver sofort aus der Mühle absaugt.
Die Bio-Welt von Kräuter Gold ist einfach in Ordnung. Wenn man hier durch den Kräutergarten schlendert, in Verkaufs-, Trocken- und Lagerräumen schnuppert, vergisst man, dass es außerhalb des Kräutergärtchens Eden von Familie Gluderer die raue Wirklichkeit noch gibt. Man steigt ins Auto, es riecht unangenehm nach Benzin, startet den Motor, der viel zu laut knattert, fährt vom Grundstück. Ein letzter Blick auf das goldgelbe Kräuterschlössel. Die Sonnenblumen nicken einem traurig zum Abschied zu und schon beginnt es wieder zu regnen – Bindfäden.
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