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Wenn der Williams munter blubbert
Unter einer Glasglocke entspringt ein Rinnsal – 75prozentiger Williams, gebrannt aus Südtiroler Birnen. Insgesamt vier solcher Glasglocken stehen in dem Brennraum der Firma Roner in Tramin; in den Kupfer-Brennkesseln, die aussehen wie Taucherglocken sieht man durch ein Bullauge die Maische munter blubbern.
1050 Liter reiner Alkohol werden hier tagtäglich gebrannt, 5000 Tonnen Birnen werden in einer Saison verarbeitet. Mit dem Williams gehört Roner zu den Leadern auf dem italienischen Markt. Hier in Tramin kommen auch die Birnen in die Williamsflaschen und wer schon immer wissen wollte wie die von Roner es schaffen die Birne in die Flasche zu bringen, hier die Lösung: im Boden der Williamsflasche befindet sich ein Loch, durch das die Birne ins Flascheninnere gesteckt wird; anschließend wird das Loch mit einem runden „Glasdeckel“ wasserdicht verschlossen, erst dann kommen die Flaschen mit der Birne in die Abfüllanlage.
Willams ist nicht der einzige Obstbrand, den Roner herstellt: Marille, Apfel, Zwetschge, Hollunder und Vogelbeere werden hier ebenso gebrannt wie Grappa - und das Wort Schnaps hört man bei Roner überhaupt nicht gern. „Der Alkohol unserer Obstbrände wird nur aus der Frucht gewonnen“, erzählt die Geschäftsführerin Karin Roner, „wir setzen keinen Alkohol zu. Deswegen brennen wir keinen Schnaps, sonder qualitativ hochwertige Obstbrände.“
Ethik wird bei Roner groß geschrieben. Alkohol zum Genießen wird bei Roner produziert; aus diesem Grund hält sich das Unternehmen aus der Produktion von Alkopops heraus, wohl wissend, dass man dadurch auf ein gutes Geschäft verzichtet. Aber Karin Roner stellt glaubwürdig dar, dass es bei Obstbränden von Roner darum geht den Geschmack der echten Frucht in die Flasche zu bringen. „Unsere Firmenstrategie heißt: Qualität zu einem angemessenen Preis“, so die Geschäftsführerin. Es gehe darum, Alkohol zu genießen und das sei schließlich eine Sache für Erwachsene.
Seit 1946 brennt Roner Obstbrände. Damals war es Karin Roners Großvater Gottfried, der die Firma gründete. Im Sitzungsraum der Firma Roner hängt heute noch ein schwarz-weiß Foto, das Opa Gottfried mit seiner Frau Luise zeigt. Daneben hängt ein Gemälde, auf dem bärtige Männer beim Schwarzbrennen zu sehen sind. „Das ist eine Szene wie sie früher typisch war. Bei uns ist das heute ein bisschen anders. Wöchentlich schauen Finanzbeamte vorbei, die unsere Anlagen überprüfen, damit auch nicht ein einziger Tropfen am Fiskus ‚vorbeigebrannt’ wird“, sagt Karin Roner. Die Finanzbeamten, ergänzt Roner scherzhaft, gehörten fast schon zum Betrieb.
Zum Betrieb gehören aber eigentlich 37 Mitarbeiter, die dafür sorgen, dass die verschiedenen Früchte gebrannt, in Flaschen abgefüllt und verkauft werden.
Für Karin Roner ist aber das Familienunternehmen mehr als nur ein Job. Es ist Leidenschaft. „Ich bin da von Klein auf reingewachsen“, erzählt sie. „Wir wussten nie, wo die Familie aufhört und der Betrieb anfängt. Alle Leidenschaft wurde ins Unternehmen gesteckt“, so Roner.
Innovation passt für Karin Roner gut mit der Tradition des eigenen Unternehmens zusammen. Einmal ist das der Geschmack der Konsumenten, der einem ständigen Wandel unterworfen ist. „Früher durfte ein Obstbrand ruhig einmal im Abgang brennen und er musste kräftig sein“, erläutert Karin Roner, „heute muss er weich sein.“
Vor dem Brennraum, in dem die verschiedenen „Grappe“ gebrannt werden, riecht es nach Herbst – nach vergorenen Trauben. Die rötlichen Tresterreste, die aussehen wie feuchte Rosinen, werden im Hof angeliefert und weiterverarbeitet. Der Duft der Luft macht Appetit auf Kastanien, Hauswurst und Knödel. Für solche Gedanken hat Karin Roner aber keine Zeit, denn heute wird produziert, was im Jahr 2009 getrunken wird. „Wir müssen unserer Zeit eben immer voraus sein“, so Roner und verweist mit Stolz auf das neue Lager, das ein Beweis dafür ist, wie weit Roner seiner Zeit voraus ist. Vollautomatisch. Zwölf Meter hohe Regale, vom Boden bis zur Decke und alle voller Obstbrände. „Wenn das Lager voll ist, stehen hier eine Million Flaschen drin“, erzählt Karin Roner und hält inne. Ein Gabelstapler-Roboter hat sich in Bewegung gesetzt, fährt in die Mitte eines Korridors zwischen den haushohen Regalen. Der Gabelstapler fährt hoch, nimmt eine Palette aus dem Regal, fährt runter und den Gang wieder zurück, wo der Magazineur die Palette in Empfang nimmt. So einfach ist Lagerverwaltung.
Ein weiteres innovatives Schmuckstück der Firma Roner ist das umweltfreundliche Heizwerk, mit dessen Dampf die Destillationsanlagen betrieben werden. Der Dampf wird durch das Verbrennen der Tresterrückständen gewonnen; auf diese Weise spart Roner jede Menge Heizöl. Überhaupt ist Roner, wenn es um die umweltfreundliche Erzeugung von Energie geht up to date. Gemeinsam mit dem Zentrum für Regenerative Energie des TIS innovation park wurden Wege gesucht mit dem Dampf aus den Trester-Rückständen auch Strom zu erzeugen, außerdem unterstützt das TIS Roner in allen Belangen, bei denen es ums Energiesparen geht.
In über zehn Länder exportiert Roner mittlerweile seine Obstbrände, hauptsächlich nach Deutschland und angepeilt ist natürlich auch China.
Das Unternehmen hat es in den zurückliegende 61 Jahren immer wieder geschafft auf Innovation zu setzen und den traditionellen Wurzeln trotzdem treu zu bleiben - mit dem Effekt, dass die Maische munter blubbert und die Rinnsäle aus Williams und Grappa unter den Glasglocken hervorsprudeln und nicht versiegen werden.

